Es gibt historische Momente, in denen die Zukunft ihre Richtung ändert!"

Zukunftsforscher Matthias Horx

 

Erinnern wir uns einen Augenblick zurück an den Jahresanfang. An die Magie des vergangenen Weihnachtsfestes, den Jahreswechsel 19/20, das Prickeln, die Vorfreude und Hoffnung. Erinnern wir uns einen Moment an die Unbeschwertheit und die Freiheit, die wir „gestern“ noch für selbstverständlich hielten. So, als würde sie niemals enden, als würde es immer so weitergehen – als müsste es immer so weitergehen. Die Welt, wir alle waren in Bewegung. Immer und überall. Wir waren frei.

 

Und heute? Vieles steht still. Unser Leben steht Kopf, Pläne, Wünsche und Träume liegen auf Eis. Die Corona-Pandemie hat die Welt und unser aller Leben schlagartig verändert. Schonungslos, radikal und nachhaltig. Nichts ist mehr, wie es war.

 

Das Virus kennt weder Grenzen noch Nationalitäten, weder Positionen noch Geschlechter. Es macht nicht halt vor Wirtschaft und Gesellschaft. Auch nicht vor dem Vereinsleben. Wir sind mehr gefordert denn je. - Alle. - Ausnahmslos.

 

Angesichts der massiven gesundheitlichen Gefahr durch Covid-19 müssen wir unser Streben nach Freiheit plötzlich Verboten unterordnen. Wir müssen zulassen, dass Fremdbestimmung aktuell vor Selbstbestimmung geht. Zulassen müssen wir auch, dass massive Einschränkungen im eigenen, sozialen Umfeld Einzug halten. Das Befolgen von Appellen und Anordnungen ist essenziell, um Leben zu retten.

 

Es ist schon paradox: Plötzlich ist Abstand halten ein Ausdruck von Fürsorge! Distanz führt zu mehr Nähe und Immobilität zu mehr Flexibilität. Es heißt, Krisen fördern das Beste im Menschen zutage. Und tatsächlich, aktuell erleben wir ein hohes Maß an wechselseitiger Anerkennung und Solidarität. Ärzte*innen, Krankenpfleger*innen und Rettungskräfte, aber auch Kassierer*innen und pädagogische Fachkräfte und viele andere erfahren mehr Wertschätzung als je zuvor. Nicht zuletzt zeigt uns die Krise, wie wichtig der Einsatz von Erntehelfern*innen aus Rumänien, Bulgarien, Polen oder anderen Ländern für unsere Versorgung ist. Dieses betrifft auch das Pflegepersonal.

Daneben setzt die Krise ungeahnte Kreativität frei.

Aber, und auch das ist Realität, wir bewegen uns auf dünnem Eis. Je kritischer die Lage wird, umso mehr neigen wir zu Revierverteidigung und Abschottung – nach innen, wie nach außen. Das beweisen nicht nur die sogenannten Hamsterkäufe und das teilweise ignorante Verhalten gegenüber unseren Einsatzkräften, sondern auch der Umgang mit europäischen Nachbarländern und Flüchtlingen. Wir müssen aufpassen, dass die Corona-Krise nicht zur Legitimation für neue Mauern und eine verschärfte Abschottungspolitik wird. Wie steht es um unsere Solidarität, wenn es hart auf hart kommt? Sind wir dann bereit, unsere Komfortzone zu verlassen und auch den Ärmsten der Armen zu helfen?

 

Was wird aus unserem Dank und Applaus, den wir heute medizinischem Personal und anderen Dienstleistern*innen zollen, wenn die Krise vorüber ist? Eines scheint klar: Nach der Krise können wir nicht einfach den Reset-Knopf drücken. Das Leben nach der Krise wird nicht mehr so sein, wie es war. Damit es besser wird, sollten wir all die Solidarität, die wir jetzt leben, beibehalten. Und wir sollten anfangen, Wertschätzung nicht nur durch Danksagung und Applaus zum Ausdruck zu bringen, sondern uns dafür einsetzen, dass alle, die mit ihren Dienstleistungen dafür sorgen, dass unser tägliches Leben angenehm und reibungslos läuft, angemessen anerkannt werden. Ein „Danke“ allein - reicht nicht!

 

Laßt uns auch weiterhin gemeinsam daran arbeiten, dass diese Richtung eine gute wird.

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